Chucks

 

© B. A. Schumacher - Gerhard, Bruce and Cindy (talking about fashion, Karl was indisposed)

Für die Erstausstellung des Situativen Brachland Museums (www.brachland-museum.de)
Bochum, September 2011
Kuratiert von Matthias Schamp und Steffen Schlichter

Die Sportschuhe Chuck Taylor All Stars, kurz auch Chucks genannt, entwickelten sich bis heute zu einer der erfolgreichsten Schuhmoden der Welt. Seit 1917 hat die mittlerweile zum Nike-Konzern gehörende Firma Convers nahezu eine Milliarde Exemplare dieser Textilschuhe mit Gummisohle verkauft. Damit sind die Converse-Chucks das bislang erfolgreichste Schuhmodell der Geschichte.

Das für diese Ausstellung gewählte Paar Chucks, Größe 38.5, wurde in Kairo gekauft, es handelt sich um eine originalgetreue Fälschung - eine sogenannte Markenpiraterie. Die Hersteller eigneten sich Design und Markennamen illegal an, wie auch das "Situative Brachland Museum" im Ganzen eine Form der Aneignung ist: Das der Stadt Bochum gehörende, mit einem Zaun versperrte Gelände wird von den Ausstellungskuratoren illegal zum Museum erklärt, die Ausstellungsexponate werden am Eröffnungstag über den Zaun geworfen.

"Converse" heißt auf deutsch "Umkehrung". "Betreten verboten!" - Diese für das Brachland geltende Regel wird von den Schuhen unterlaufen. Indem sie auf dem Gelände Platz nehmen, dienen sie seiner Umcodierung. Sollte es zu einem Diebstahl der Schuhe kommen, zum Beispiel durch modebewusste, den Zaun übersteigende Teenager, bleibt die Sabotage nicht mehr nur semiotisch. Dann antizipiert der Wurf der Schuhe über den Zaun bereits eine Übertretung, die am Ende ganz und gar real würde.

Der diesem Projekt zugrunde liegende Gedanke der Aneignung spiegelt zugleich auch die Revolution in Ägypten im Frühjahr 2011, durch die eine Land(wieder-)aneignung durch ein politisch, gesellschaftlich und kulturell unterdrücktes Volk in Gang gesetzt wurde.

© Birgit Anna Schumacher 2011

Letzte Aktualisierung: 26.09.2011